Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. 1. Kor 7,23

Vor etlichen Jahren saß ich einer Gemeinde, wo ein Gemeindemitglied für den Pastor und seine nun folgende Predigt mit folgenden Worten betete: „Herr, segne deinen Bruder unsern Knecht.“ Hier war wohl - unbemerkt für den Beter selbst - etwas durcheinander geraten. Was mich mit Blick auf den Versprecher in diesem Gottesdienst schmunzeln ließ, das kann uns allerdings im Miteinanderleben und im Glauben zum Problem werden. Menschen haben ihre Erwartungen und Forderungen an uns, ihre Vorstellungen darüber, wie wir zu leben und uns zu verhalten haben – und wir versuchen mitunter, es ihnen recht zu machen. Allerdings geraten wir so in eine Abhängigkeit von der Meinung der anderen, von ihrem Lob und ihrer Anerkennung, die uns versklavt. Wir versuchen, ihre Erwartungen zu erfüllen und ihre mögliche Kritik zu vermeiden. Gleichzeitig stöhnen wir unter dieser Lebensphilosophie. Sie macht uns unfrei und überfordert uns. Wir haben keine Meinung mehr und hängen unser Fähnlein nach dem Wind. Trotz aller dieser Bemühungen müssen wir erfahren, was schon der Volksmund weiß: „Allen Menschen recht getan, ist ein Kunst, die niemand kann.“

Wie gut ist es da, die Botschaft des Monatsspruches zu verinnerlichen. Der Apostel Paulus schreibt sie den Christen in Korinth, die auch in der Gefahr standen, sich gegenseitig ihre Erwartungen und Forderungen aufzudrücken. Er stellt klar, dass wir letztlich nicht Menschen gehören – auch noch so wohlmeinenden nicht, sondern dem Gott, der uns teuer erkauft hat. Dem Gott, der uns durch das Opfer von Jesus Christus am Kreuz von unserer Schuldverstrickung freigekauft hat. Dem Gott, der den Preis bezahlt hat, den wir nie hätten bezahlen können. Diesem Gott haben wir glaubenden Menschen uns übereignet. Und nun darf auch nur der Eigentümer, nämlich Gott selbst, die letzte Verfügungsgewalt über uns besitzen. Das macht uns unabhängig von den Vorstellungen anderer, auch wenn sie noch so fordernd auftreten. Sicher werden wir uns oder besser Gott immer wieder fragen, wo wir Anderen dienen können und auch, wo wir um des Anderen willen verzichten sollten. Wir üben Rücksicht. Aber wir tun das als Menschen, die mit ihrem Gewissen und ihrem ganzen Leben an Christus gebunden sind.

So gewinnen wir eine fröhliche und unverkrampfte Freiheit und ein gesundes Maß an Zivilcourage. Denn Christus hat dafür teuer bezahlt.

Ihr/Euer Thomas Scheffler