Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen

werden, so werden die Steine schreien. Lk 19,40

Die Szene spielt sich am Palmsonntag in Jerusalem ab. Menschenmassen sind aus dem Häuschen, als Jesus dort auf einem Esel reitend, in die Stadt einzieht. Man reißt die Zweige von den Palmen und sich selbst die Kleider vom Leib und bedeckt damit die Straße. Die Menge der Jünger lobt Gott für seine Taten und sie rufen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Einigen Pharisäern geht der Hut hoch. Sie reklamieren bei Jesus, dass dieser doch seine Jünger zurechtweisen und sie zum Schweigen bringen solle. Darauf gibt Jesus ihnen die obige Antwort.

Wenn es um die Ehre Gottes geht und darum, Jesus als König aller Könige zu bekennen, gibt es bis in unsere Zeit hinein immer wieder solche Schweigewünsche und mitunter auch unter uns Christen eine „Bekenntnishemmung“. Ganz allgemein von Gott zu sprechen, wäre den Pharisäern damals sicher nicht sauer aufgestoßen. Jesus aber als den zu bekennen, der im Namen des Herrn kommt und der zugleich dieser König ist, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, das fordert ihren Widerspruch heraus. Ja, ein allgemeines Bekenntnis zu einem göttlichen Wesen, das wird noch relativ tolerant aufgenommen. Widerspruch aber regt sich, wenn es darum geht, dass der lebendige Gott sich zuerst, zutiefst und letztgültig in Jesus Christus offenbart und dieser Jesus der einzige Weg zum Vater ist. Jesus aber macht mit seiner Reaktion klar, dass dieses Bekenntnis nicht beliebig ist, es auch nicht dem Schweigen zum Opfer fallen darf – selbst wenn es dafür Gegen-wind gibt und es etwas kostet.

Dieses mutige Bekenntnis haben z.B. auch die Christen in der Bekennenden Kirche im dritten Reich abgelegt. In der Barmer theologischen Erklärung haben sie deshalb schon 1934 formuliert: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Immer wieder gilt es seitdem in der Weltgeschichte, mutig von dem zu sprechen, dem Gott alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben hat und in dem allein unsere Rettung ist: Jesus Christus. Viele Christen weltweit bezahlen für dieses Bekenntnis einen hohen Preis. Wir wollen für sie beten und gleichzeitig selbst mutig zum Bekenntnis werden. „Schreiende Steine“ sind dann nicht mehr nötig.

Herzlichst grüßt Ihr/Euer Thomas Scheffler