In jeder Gemeinde gibt es Leute, die ziehen, welche, die selber laufen, dann solche, die man tragen muss. Und dann gibt es noch welche, die muss man ertragen, sagte mir mal ein alter Gemeindepastor.

Was für eine Gemeinde hat Paulus in Ephesus wohl vorgefunden, um so eine Ermahnung loszulassen, ertragt einer den anderen in Liebe (Epheser 4, Vers 2)? Da hat es offenbar an Demut, Sanftmut und Geduld (Vers 2) gefehlt. In Ephesus waren Judenchristen und Heidenchristen zusammen, und da knirschte es ganz ordentlich. Deshalb war es nötig, dass Paulus einiges zurechtrückte, indem er auf die Einheit in den Grundlagen hinwies.

Ihr alle seid ja EIN Leib, in euch allen lebt EIN Geist, ihr alle habt die EINE Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief. Es gibt für euch nur EINEN Herrn, nur EINEN Glauben und nur EINE Taufe. Und ihr kennt nur den EINEN Gott, den Vater von allem, was lebt. Er steht über allen (Vers 3-6).“

Ich fühle mich heute manchmal wie in Ephesus. Die Warnungen vor einer drohenden Spaltung kommen zu spät, die Spaltung ist schon da. Durch die Gesellschaft und die Gemeinden, auch durch die HERR-BERGE geht ein Corona-Graben. Und beiden Gruppen fällt es schwer, die jeweils anderen mit ihrer Ansicht zu ertragen. Paulus erinnert uns daran, das Wesentliche, die Grundlagen, nicht zu vergessen. Für mich heißt das auch, ich finde es sehr schade, wie viel Zeit und Kraft wir darauf verwenden, unsere eigene Position zu Coronamaßnahmen, Impfung usw. zu behaupten. Und wie wenig Zeit und Kraft bleibt dann noch für das Wesentliche? Ich glaube, das Wesentliche der Gemeinde und damit auch der HERR-BERGE ist, Jesu Bodenstation zu sein. Sein sichtbarer Leib in dieser Welt. Salz und Licht. DARAUF sollten wir uns konzentrieren, und die Meinungsverschiedenheiten wegen Corona nicht unser Gemeindeleben und unseren praktisch gelebten Glauben in der HERR-BERGE bestimmen lassen. - Ach übrigens, der Text im Epheserbrief geht noch weiter. Nachdem Paulus an die Einheit in den Grundlagen erinnert hat, packt er aus, dass keiner von uns die Weisheit für sich allein gepachtet hat.

Er wirkt durch alle und in allen. Jeder von uns hat seinen besonderen Anteil an den Gaben erhalten, die Christus in seiner Gnade ausgeteilt hat (Vers 6-7).“ UPS. Vielleicht lasse ich mir das durch Kopf und Herz gehen, wenn ich mal wieder über meinen Kollegen, meine Schwester oder einen Bruder denke, dass der völlig auf dem Holzweg ist mit seiner Ansicht.

Demut, Sanftmut und Geduld. Sind gerade im Angebot. Nicht im Supermarkt, sondern bei unserem Herrn, der uns geduldig und liebevoll daran erinnert, dass wir als Christenheit, als Gemeinde vor Ort und als Dienstgemeinschaft in der HERR-BERGE besser miteinander als gegeneinander arbeiten, wenn wir so rüberkommen wollen, wie er sich das gedacht hat. In diesem Sinne wünschen der Aufsichtsrat und der Vorstand der HERR-BERGE ein gesegnetes neues Jahr 2022 allen unseren Mitarbeitern, Bewohnern und Freunden, die uns im Gebet (er)tragen und uns von Herzen verbunden sind.

Jan Schuler - Stellvertrtender Aufsichtsratsvorsitzender