Andacht zum Monatsspruch Oktober

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN;

denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. Jer 29,7

 

Es ist Post eingetroffen. Die Weggeführten aus Jerusalem, die jetzt in der Verbannung in Babel sitzen, halten einen Brief aus ihrer Heimat in den Händen. Der Prophet Jeremia hat ihn von Jerusalem aus geschrieben. Mancher der Verbannten hat nun vielleicht gehofft, dass ihnen gesagt wird, sie sollen sich ja nicht mit denen einlassen, die sie verschleppt haben und sie mögen in der Fremde keine Wurzeln schlagen, denn bald werde die Heimkehr erfolgen. Aber weit gefehlt. Jeremia befiehlt ihnen, Häuser zu bauen Gärten zu pflanzen und Familien zu gründen. Von einem Sitzen auf gepackten Koffern ist keinesfalls die Rede. Ja, noch mehr. Die Israeliten sollen sich zum Wohl der Stadt Babel einsetzen, in die Gott sie hat wegführen lassen. Sie sind aufgefordert, in der Fürbitte für diese Stadt einzutreten, die ja alles andere als gottgefällig lebt. Die Verwunderung über diese Aufforderung muss den Briefempfängern ins Gesicht geschrieben sein.

„Suchet der Stadt Bestes“, dieser Satz steht im Stadtwappen von Limbach-Oberfrohna, in der wir viele Jahre lebten. Immer wieder hat uns diese Aufforderung als Gemeinde bewegt und wir versuchten, diesen großen Schein in kleine Münze zu wechseln. Ein Christsein, das sich aus allem raushält, verträgt sich nicht damit. Im Gegenteil. Wir sind ermutigt, Verantwortung zu übernehmen in unserer Gesellschaft.

Dankbar dürfen wir wir alle diejenigen Christen sein, die sich in Politik und Gesellschaft einbringen. Es ist unsere Aufgabe, für sie vor Gott einzustehen, sie in der Fürbitte zu begleiten und ihnen so den Rücken zu stärken. Mir scheint, dass es in unserer Gesellschaft heute viel leichter ist, über die „Verantwortlichen da oben“ zu schimpfen, als für sie zu beten. Gebet schließt ja konstruktive Kritik nicht aus, es entzieht aber aller dumpfen Hassstimmung und aller wohlfeiler Besserwisserei den Boden. Außerdem scheint es mir immer leichter zu sein, vom Spielfeldrand das Geschehen auf dem Spielfeld zu kommentieren und zu beurteilen.

Lasst uns denen die Verantwortung übernehmen in Gesellschaft und Politik mit Wertschätzung und Achtung begegnen. Lasst und treu beten für alle Verantwortlichen, auch wenn wir ihre Meinung nicht in jedem Punkt teilen. Unser Land braucht dies dringend.

Der Segen wird auf uns zurückkommen, denn wenn es der Stadt wohlgeht, dann geht es auch uns wohl.

Herzlichst Euer Thomas Scheffler