Online Monatsandacht

Das geistliche Wort zum aktuellen Monat!

Mann schaut mit ausgebreiteten Armen in den Sonnenuntergang

Online Monatsandacht März

Das geistliche Wort im März, welches zeitgleich auch immer in unserem HERR-BERGE Journal erscheint. Jeder Bewohner erhält monatlich eine gedruckte Ausgabe des Journals.

„Da weinte Jesus.“, Johannes 11,35

Das sei der kürzeste Satz der Bibel, habe ich gelesen. Obwohl nur so eine kurze Notiz im Johannesevangelium, hat es dieser Satz in sich. Er geht in die Tiefe. So übersetzt die BasisBibel: „Da brach Jesus in Tränen aus.“ Das ist mehr, als feuchte Augen bekommen, das beschreibt eine tiefe innere Rührung oder Betroffenheit, die ihn übermannt. Ich lese darin die ganz menschliche Seite von Jesus, der „wahr Mensch und wahrer Gott“ in seiner Person vereint. Was bringt Jesus hier so aus der Fassung? Es geschieht am Grab von Lazerus. Dort bricht es aus ihm heraus. So sehr, dass die Umstehenden resümieren: „Seht, wie lieb er ihn hatte!“ (V.36)

So weit, so rührend. Eigenartig nur, dass Jesus wenige Augenblicke zuvor auf das Weinen Marias und ihrer Trauergesellschaft völlig anders reagiert. Da stimmt er nicht mit ein, sondern gibt einer anderen Emotion deutlich Raum: Er „ergrimmt“, oder: „wird zornig“, gepaart mit innerer Erschütterung. Was passiert mit Jesus bei dieser Begegnung mit dem Hauptfeind des Lebens, dem Tod? Steht er nicht darüber, obwohl er doch Herr über Leben und Tod ist? Ist sein Zorn eine Reaktion auf die unbarmherzige Macht des Todes? Oder Ärger über die Glaubenslosigkeit, den Zweifel seiner Mitmenschen? Frustriert ihn, dass die Leute in ihm „nur“ den Krankenheiler sehen, nicht aber den, der den Tod überwindet und Leben schenkt?

Doch nun selbst am Grab stehend bricht auch Jesus in Tränen aus. Tränen des Erbarmens, des Mitgefühls. Für mich spricht aus seinen Tränen die Gewissheit, dass Jesus uns ganz nahe kommt – auch emotional, gerade dann, wenn wir uns gottverlassen fühlen wie Maria: „Wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ (V.32) Zugleich erschöpft sich das Nahesein Jesu nicht im Mitleid, sondern mit ihm kommt seine Auferstehungs- und Rettungskraft zum Tragen. Das Leid, der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern sein Rufen ins Leben, ins ewige Leben spricht das entscheidende Wort. Aber bereits heute, an den Tiefpunkten unseres Lebens, ist er da und teilt unser Leid. Irdisches Leid wird nicht bagatellisiert.

Der Monat März füllt die Passionszeit. Vielleicht treibt uns der Gedanke, dass Jesus stellvertretend für uns leidet und am Kreuz stirbt, auch Tränen in die Augen, wenn wir im Schauen auf das Kreuz unsere Schuld entdecken. Tränen sind da keine Schande, vielmehr sind sie Ausdruck dafür, dass wir unsere manchmal harte Schale verlieren. Sie zeigen unser verletztes oder verletzliches Herz. Sie öffnen uns für das Wirken Jesu in unserem Herzen. Genau hier setzt die heilsame und vergebende Auferstehungskraft Jesu an!

Eine zu Herzen gehende Passionszeit wünscht Euch

Euer Michael Schubach