Online Monatsandacht
Das geistliche Wort zum aktuellen Monat!

Online Monatsandacht Juni
Das geistliche Wort im Juni, welches zeitgleich auch immer in unserem HERR-BERGE Journal erscheint. Jeder Bewohner erhält monatlich eine gedruckte Ausgabe des Journals.
Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! Hebräer 13,3
„Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.“ Dieser gern (manchmal auch ironisch) zitierte Satz klingt erstmal schlüssig, es lässt sich schwer widersprechen. Aber diese Logik geht nicht auf. Oder nur solange, wie das „an sich selbst denken“ was nützt und weiterhilft.
Unser Monatsspruch führt hier Gefangene und Misshandelte an, an die die Gemeinde oder auch die einzelnen Gläubigen denken sollen. Dazu muss man wissen, dass vergessene Gefangene beizeiten verhungerte Gefangene wurden. Denn zu biblischen Zeiten waren Gefängnisse für die Versorgung „ihrer“ Gefangenen nicht zuständig. Das mussten Angehörige leisten oder andere Menschen, die diese Versorgung übernahmen. Also waren Gefangene darauf angewiesen, dass andere an sie dachten und sie nicht vergaßen. Damit wird auch deutlich, dass „an jemanden denken“ mehr ist, als Kopfarbeit. Gemeint ist: Sich eins machen mit der Not des Anderen und praktische Hilfe leisten. Begründet wird die Aufforderung mit dem Hinweis: „denn auch ihr lebt in einem verletzlichen Körper.“ (BasisBibel) Die Gute Nachricht Bibel umschreibt die Herausforderung noch plastischer: „Denkt an die Misshandelten, als ob ihr die Misshandlungen am eigenen Leib spüren würdet!“ Die eigene Verletzlichkeit und eigene Bedürftigkeit soll zur Motivation werden, Bedürftige und Verletzte nicht zu vergessen, sondern ihrer Not ganz praktisch zu begegnen.
Der Hebräerbrief nennt noch eine weitere Motivation: In Kapitel 4,14f stellt er Jesus als einen Hohepriester heraus, der – obwohl er die Himmel durchschritten hat – mit uns mitleidet und für uns eintritt. Mit anderen Menschen ganz praktisch mitleiden führt also auch dazu, Jesus ähnlicher zu werden; ihm nachzufolgen; so zu handeln, wie er es tat und tut. Vielleicht will Jesus heute Dich und mich gebrauchen, um durch uns einem Menschen seine Hilfe zu schicken. Lasst uns achtsam und mit den Augen der Liebe Jesu durch unseren Alltag gehen. Dann werden wir Menschen sehen, die unsere Hilfe benötigen. Und wir werden selbst Menschen sein, denen Hilfe widerfährt.
Insofern möchte ich das Eingangszitat umkehren:
„Wenn jeder an seinen Nächsten denkt,
ist an alle gedacht.“ Gemeinsam leben wir davon,
dass der Herr an uns denkt und uns segnet. (Ps.115,12)
In herzlicher Verbundenheit Euer Michael Schubach