Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. 2. Thess 3,5

„Konzentriere dich doch mal...“ So oder ähnlich versuchen Eltern ihren Kindern oder Lehrer ihren Schülern klarzumachen, wie wichtig es ist, sich zu fokussieren. Das aber fällt vielen Menschen schwer, nicht nur Kindern. In einer Welt der Reizüberflutung scheint alles gleich wichtig zu sein.

Nun beschreibt der Apostel Paulus in den voranstehenden Versen seiner Briefe an die Gemeinde in Thessaloniki die Zeit, bevor Christus wiederkommt. In diesem Zusammenhang betont er dann das, was neben vielem anderen besonders notwendig ist und worauf unsere Herzen ausgerichtet sein sollen: Auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

Fokussiert auf die Liebe Gottes, das meint, alles daran zu setzten, dass diese Liebe in uns viel Raum haben kann. Es gilt sich dieser Liebe Gottes zu öffnen, sie bewusst aufzunehmen und sich von ihr erwärmen und verändern zu lassen. Wie Sonnenblumen sich im Tagesverlauf immer wieder hin zur Sonne drehen, dürfen auch wir uns ins Licht der „Sonne der Gerechtigkeit“ drehen, dürfen Gott seine Liebe glauben und ihm dafür danken. Immer wieder treffe ich Menschen, denen das so schwer fällt und die in tiefen Selbstzweifeln festhängen und sich fragen, ob sie es wert sind, geliebt zu werden von Gott. Die wunderbare Nachricht der Bibel ist, dass wir aufhören können „Gänseblümchen zu zupfen“ unter der Frage: „Er liebt mich – er liebt mich nicht...?“ In Jesus und seinem Sterben und Auferstehen hat Gott uns seine Liebe bewiesen, ein für allemal. Jeder darf wissen: Ich bin geliebt, unabhängig von meinen Leistungen und meinen Tun. Aber weil ich nun geliebt bin, darf ich auch aus seiner Liebe leben und sie weiterreichen. So werden wir also zuerst ermuntert, uns nach Hause zu Gott lieben zu lassen.

Zum anderen aber wird uns ans Herz gelegt, dem Warten auf Christus Raum zu geben. Immer wieder erinnere ich mich an dieser Stelle, wie ich in jungen Jahren sehnsüchtig wartend auf dem Bahnsteig stand, immer Ausschau nach dem Zug haltend und auf jedes Knacken aus dem Lautsprecher hörend. Wann kommt sie, meine große Liebe? Da war anderes plötzlich zweitrangig. Die Kälte auf dem Bahnsteig spürte ich kaum – die Vorfreude überdeckte das alles. Gerade in diesen Wochen, wenn bald wieder die Adventszeit beginnt, üben wir uns neu ins Warten ein auf die große Liebe unseres Lebens. Und es ist wahr, was Gustav Heinemann einmal sagte: „Die Herren dieser Welt müssen gehen, unser Herr aber kommt.“ In großer Vorfreude auf diesen Tag und mit einem geöffneten Herzen für die Liebe Gottes grüßt Sie/Euch ganz herzlich

Ihr/Euer Thomas Scheffler