Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören,

langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jak 1,19

Um Schnelligkeit und Langsamkeit geht es in unserem Monatsspruch. Reden – das geht uns gemeinhin relativ schnell und leicht von der Zunge, manchmal noch ehe wir so richtig überlegt haben. Bei einer durchschnittlichen Redezeit von 10 Minuten formen wir ca. 1000 Wörter. Mitunter sprechen wir auch ohne vorher richtig überlegt zu haben. Letztens sagte mir eine Frau: „Wie kann ich wissen was ich denke, wenn ich es nicht sage...“ Ja, Reden hilft uns mitunter, das uns selbst Unbewusste ans Licht zu bringen.

Aber ein schnelles Reden kann auch verletzend sein. Worte, die einmal aus unserem Mund geschlüpft sind, lassen sich nicht wieder zurückholen. Sicher kennt mancher von uns die Erfahrung eines vorschnellen Wortes, das eine zerstörende und verletzende Kraft entfaltet. Ganz zu schweigen von einem weitergegebenen Gerücht, das einem ausgestreuten Federkissen gleich, nie wieder ganz eingesammelt werden kann. Unsere Worte haben außerdem Kraft. Negative Erwartungen, die immer wieder ausgesprochen werden, entwickeln sich zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.

Dagegen fällt uns das Zuhören schon schwerer. Vielleicht hat es ja seinen guten Grund, dass Gott uns mit nur einer Zunge, dagegen aber mit zwei Ohren geschaffen hat. Schnell und gut zu hören, das fordert uns heraus. Wirkliches Zuhören ist selten geworden in einer Zeit, wo Worte inflationär gebraucht werden. Dabei ist nichts so hilfreich, wie ein guter Zuhörer, der hier und da vielleicht eine Frage stellt aber dabei nicht ausfragt, der wirklich zuhört, ehe er antwortet.

Viele von uns werden schon die Erfahrung gemacht haben, dass wir in Sorgen und Problemen selbst eine Lösung finden, wenn da jemand ist, der uns interessiert und wertschätzend zuhört. Mitunter bedarf es dann gar keines Rates mehr – im Aussprechen vor Gott und dem Zuhörer klären sich die Dinge ab und es fließen uns Antworten zu, ohne dass unser Gegenüber viel gesprochen hat. Ja, viele Worte vom Anderen können diesen Prozess sogar stören.

Deshalb beten wir doch darum, dass wir gute Zuhörer sein können, die auch mal schweigen können, die mit dem Herzen hören und die Gott dann gebrauchen kann, anderen Wegbegleiter und Helfer zu sein.

Der Gott, der uns hört, noch ehe wir rufen, will uns dazu befähigen.

Ein „schnelles“ Hören wünscht Euch Euer Thomas Scheffler