Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apg 5,29

Hinter Schloss und Riegel hatte man die Apostel gebracht, weil sie mutig von Jesus erzählt und in seinem Namen Wunder getan hatten. Der religiösen Oberschicht war das ein Dorn im Auge und so ließen sie die Apostel wegsperren. Mitten in der Nacht jedoch greift Gott ein und schickt einen Engel, um die Apostel in die Freiheit zu führen. Der Engel gibt ihnen den klaren Auftrag mit, wieder in den Tempel zu gehen, um dort von dem zu reden, der selbst das Leben ist und der Befreiung aus dem Kerker der Schuld schenkt: Jesus Christus. Die Apostel gönnen sich nun nicht erst ein warmes Wannenbad sondern sie laufen in den Tempel und setzten ihre Lehrtätigkeit fort. Das bleibt natürlich den religiösen Führern nicht verborgen. Wie konnte das aber sein, dass diese Jesus-Leute wieder auf freiem Fuß sind, sie sollten doch im Knast schmoren? Und so prüfen sie die Schlösser nach, reiben sich verwundert die Augen – aber dann zerren sie die Apostel erneut vor das hohe Gremium und verdonnern sie nochmals zum Schweigen.

Petrus und die Apostel aber antworten mit dem obigen Wort: Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Ich erinnere mich an manche Situation in der DDR-Zeit, wo uns dieser Satz motiviert hat, mutig das Bekenntnis zu Christus zu wagen. Das war nicht immer einfach und konnte deutliche Nachteile bewirken. Dennoch ist bis heute Mut gefordert, Gottes Willen zu tun, auch wenn dies nicht der gängigen Mehrheitsmeinung entspricht. Wo immer Menschen etwas fordern, das gegen Gottes Wort und Gebot steht, sind wir zuerst dem Reden Gottes und seinen Anweisungen verpflichtet.

Aber Achtung, dabei geht es nicht um blinde Opposition oder um ein „Dagegensein“.

Wissen wir eigentlich, warum evangelische Christen auch Protestanten genannt werden? 1529 waren alle Fürsten und Reichsstädte zu einem 2. Reichstag nach Speyer gerufen worden. Dort sollten die Streitereien um die Religion staatlich geregelt werden. Der Kaiser selbst war nicht erschienen sondern hatte stattdessen seinen Bruder Ferdinand mit der Leitung beauftragt. Dieser versuchte nun die Reformation zurückzudrehen und das Wormser Edikt von 1521 wieder einzusetzen. Damit wäre Luther abermals zum Ketzer erklärt und die gewonnene Bekenntnisfreiheit zurückgenommen worden. Dagegen setzte sich die evangelische Minderheit zur Wehr. Sie verfassten ein Protestschreiben, das die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens forderte. Ein Kernsatz aus der Protestationsschrift lautet:

"In Sachen Gottes Ehre und der Seele Seligkeit belangend muss ein jeglicher für sich selber vor Gott stehen und Rechenschaft geben." Das gilt bis heute. Ja, wir wollen und sollen uns ein- und unterordnen. Wo aber Menschen etwas fordern, das gegen Gott und sein Gebot gerichtet ist, gilt es mutig zu sagen und zu leben, dass Gott mehr zu gehorchen ist als den Menschen.

Ihr/Euer Thomas Scheffler