Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Kol 1,15

 

Wie aus dem Gesicht geschnitten...“, so hört mancher Sohn die Leute im Hinblick auf den ihnen bekannten Vater sagen. Wir können unsere Ähnlichkeit nicht verbergen. Es ist offensichtlich, aus welchem „Stall“ wir kommen. Das, was für unser Aussehen gilt, das lässt sich oft auch auf die Persönlichkeit, unsere Art und den Charakter sagen.

Auch bei Jesus wird ganz schnell klar, aus welcher „Familie“ er kommt. Er ist dem himmlischen Vater „wie aus dem Gesicht geschnitten“. Er spiegelt seine Art, sein Wesen, seinen Charakter wieder. Deshalb konnte Jesus selbst einmal an anderer Stelle sagen: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9). Wer Jesus ins Gesicht sieht und wer ihn erfährt, der sieht dem lebendigen Gott ins Angesicht.

Die Frage, welches Bild wir von Gott haben, ist sehr entscheidend. Von ihr hängt es ab, wie wir unseren Glauben leben, mit welcher Grundstimmung wir durchs Leben gehen, wie wir mit dem umgehen, was Gott uns anvertraut usw. Jesus erzählt einmal ein Gleichnis, wo jemand, der ein Talent bekommen hat, dies vergräbt und es nicht einsetzt und nicht damit arbeitet. Als der Herr ihn dann zur Rede stellt, begründet dieser Mensch das mit dem Satz: „Ich wusste, dass du ein harter Mann bist...“ Dieses Bild von Gott, das in ihm lebte, hat sein Handeln bzw. Nichthandeln geprägt. Selbst unser Lebensstil und unsere psychische Gesundheit kann von unserem Gottesbild beeinflusst werden. Ein negatives und unbiblisches Gottesbild kann regelrecht krank machen. Um so wichtiger ist es, dass wir uns Jesus anschauen und in ihm den unsichtbaren Gott entdecken. In seinem Leben, in seiner Art zu handeln, zu lieben und zu leiden wird Gottes Art sichtbar.

Immer wieder begegnen mir Menschen, die an ihrem Gottesbild kranken. Oft schon habe ich ihnen empfohlen, mal für einige Zeit, vielleicht ein ganzes Jahr, sich beim Bibellesen besonders die Evangelien vorzunehmen und so zu verinnerlichen, wie Jesus uns dort gezeichnet wird. Und dann dürfen wir dieses Bild nehmen, dürfen es anschauen, es auf uns wirken lassen – und es auf den unsichtbaren und ewigen Gott übertragen.

Im Anschauen dieses wunderschönen Bildes, genesen wir in unserer Gottesvorstellung.

In diesem Sinn wünsche ich uns in den nächsten Wochen, gerade in der Passions- und Osterzeit eine gesegnete „Bildbetrachtung“, eine Sicht auf Jesus, die uns heil werden lässt in unserem Gottesbild.

Herzlichst grüßt Ihr/Euer Thomas Scheffler