Andacht zum Monatsspruch September

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 2.Kor 5,19

Eine Kindergruppe besichtigt eine große Kirche. Beeindruckt stehen die Kinder unter den hohen Gewölben, sie betasten die gewaltigen Säulen und staunen vor dem Altarbild. In ihren Blick kommt auch das Kreuz mit der Christusfigur. „Warum hängt er da?“, so fragt ein Mädchen interessiert und zutiefst ahnungslos. Ihre schlichte Frage bringt die Begleiter ins Schwitzen. Ja, warum musste Jesus Christus am Kreuz sterben?

In unserem Wochenspruch erklärt uns der Apostel Paulus das Geschehen am Kreuz. Dabei ist es wichtig, gleich die erste Aussage zu begreifen. Gott war es - in Christus - der die Welt mit sich selbst versöhnte. Da, in diesem bitteren Leiden, verspottet, ausgepeitscht, dornengekrönt, da war Gott.

Da, in diesem einsamen Tod am Kreuz, dort war Gott. Gott, für mich, so, wie er auch in den Tiefen meines Lebens da ist, von außen verkannt und verhöhnt. Es ist schon bedeutungsvoll, dass Paulus das so betont und es ist wichtig, dass wir es verstehen. Viele Menschen missverstehen die Passion, das Leiden und Sterben Christi am Kreuz – so, als verlange da ein zorniger Gott ein blutiges Opfer, damit er wieder besänftigt würde.

Aber genau das Gegenteil ist richtig: Nicht Gott hatte ein Problem, das nun versöhnt werden müsste, sondern der Mensch hat ein Problem.

Ein Grundproblem! Die Bibel nennt es Sünde. Der von Gott entfernte Mensch ist haltlos geworden und in sich selbst verkrümmt. Gefangen in den Kräften des Bösen und deshalb immer wieder von Eigensucht und Neid bestimmt, in Hass und Lügen verstrickt, von Zerbruch und Leid umgeben. Wir kennen ja uns selbst und unsere Welt. Aber nun war Gott in Christus, in dem Sterbendem am Kreuz. Er kommt in das Geplärre und Gestreite dieser Welt hinein – und mehr noch – er nimmt es alles auf sich. Er trug unsere Krankheit und nahm auf sich unsere Schmerzen, so hat es schon Jesaja gesehen. Interessant ist, dass das griechische Wort für „Versöhnung“ auch „Wechsel“ oder „Tausch“ bedeuten kann. Dann heißt das: Am Kreuz findet ein Tausch statt, ein „fröhlicher Tausch“, wie Martin Luther ihn genannt hat. Da bietet uns Christus an, dass wir ihm all das Unversöhnte, das, was unser eigenes Leben und das Leben anderer geschädigt hat, all das Schwere und Belastende übergeben und dafür Frieden mit Gott und Menschen und Versöhnung empfangen.

Was für ein Tausch! Wer wollte da auf den alten „Lumpen“ beharren,

wo es doch neue und schöne Kleider gibt?

Lassen wir uns doch auf diesen „fröhlichen Tausch“ ein – erstmalig und dann immer wieder neu, indem wir ihm unsere Schuld bekennen, um seine Vergebung bitten und dankbar seinen Frieden empfangen.

Es kann uns nichts besseres passieren! Herzlichst Ihr/Euer Thomas Scheffler